Fahrschulvertrag kündigen: Frist, AGB und Restguthaben
🕒 Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
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Kündigungsschreiben kostenlos erstellenWarum es bei der Fahrschule keine Standardfrist gibt
Ein Fahrschulvertrag über Fahrstunden ist regelmäßig ein Dienstvertrag nach § 611 BGB: Die Fahrschule schuldet die Ausbildung, Sie schulden die Gegenleistung. Damit gilt nicht das Arbeitsrecht, sondern das, was der Vertrag und die AGB vorsehen. Ein zwingender gesetzlicher Wert wie „vier Wochen zum Monatsende“ existiert für Fahrschulverträge nicht.
Ohne abweichende Vereinbarung gilt für Dienstverhältnisse § 621 BGB:
- bei tages- oder stundenweiser Vergütung: Kündigung an jedem Tag zum Ablauf des folgenden Tages,
- bei wöchentlicher Vergütung: Kündigung zum ersten Werktag der Woche mit Wirkung zum folgenden Samstag,
- bei monatlicher Vergütung: Kündigung zum 15. zum Ende des Kalendermonats,
- bei vierteljährlicher oder längerer Vergütung: sechs Wochen zum Ende eines Kalenderquartals.
Der erste Schritt ist deshalb immer der Blick in die AGB. Viele Fahrschulen kündigen zum Ende des gebuchten Ausbildungszeitraums, andere verlangen zwei bis vier Wochen Vorlauf oder eine Gebühr für den angefangenen Ausbildungszeitraum. Ohne Kenntnis Ihrer AGB wählen Sie sonst ein falsches Datum.
Was Sie neben der Frist regeln sollten
- Restguthaben: Ein Anspruch auf Erstattung nicht genutzter Fahrstunden bemisst sich nach den Vertragsbedingungen. Fordern Sie ein etwaiges Guthaben im Kündigungsschreiben ausdrücklich an und nennen Sie die Bankverbindung für die Erstattung.
- Offene Forderungen: Bereits erteilte und erbrachte Leistungen bleiben geschuldet. Klären Sie im Schreiben, welche Stunden Sie noch schulden – sonst diskutieren Sie über Pauschalen.
- Fahrschuldokumente: Verlangen Sie die Herausgabe des Ausbildungsnachweises, den die Fahrschule Ihnen nach § 6 Abs. 2 FahrschAusbO 2012 über die durchgeführte theoretische und praktische Ausbildung bescheinigen muss, und der Bescheinigungen über theoretische und praktische Ausbildungsstunden. Nennen Sie eine Frist, bis zu der Sie die Unterlagen zurückhaben möchten.
- Terminierte Stunden: Bereits gebuchte Einzeltermine sollten Sie einzeln stornieren – eine Sammelkündigung erfasst sie nicht automatisch.
Kein Widerrufsrecht im Präsenzvertrag
Wurde der Vertrag nicht im Fernabsatz geschlossen, besteht kein gesetzliches Widerrufsrecht (§ 312g BGB). Bei Online-Abschluss ist die 14-Tage-Frist zu prüfen; bei bereits terminierten Dienstleistungen zu einem bestimmten Zeitpunkt ist die Widerrufsfrist regelmäßig ausgeschlossen. Im Zweifel ist der Abschluss in der Fahrschule der Regelfall – dann kündigen Sie nach den AGB.
Eine Kündigung muss nicht in Schriftform erfolgen, ein unterschriebenes Schreiben ist aber der sichere Weg: Es dokumentiert den Termin, die Forderung nach Restguthaben und den Zugang. Wenn Sie die Kündigung per E-Mail senden, setzen Sie eine Kopie an die Geschäftsführung und bewahren Sie den Sendebeleg auf.
Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer ist ein Sonderfall
Wer sich zum Berufskraftfahrer ausbilden lässt, schließt kein gewöhnliches Praktikum, sondern ein Berufsausbildungsverhältnis. Dafür gilt das Berufsbildungsgesetz (BBiG): Probezeit nach § 20 BBiG, Beendigung nach § 21 BBiG, Kündigung nach § 22 BBiG. In der Probezeit ist eine fristlose Kündigung jederzeit möglich, nach der Probezeit nur aus wichtigem Grund oder mit vier Wochen Frist bei einem Wechsel der Ausbildung – und immer schriftlich, die elektronische Form ist ausgeschlossen (§ 22 Abs. 3 BBiG).
Häufige Fragen
Wie lange ist die Kündigungsfrist bei einer Fahrschule?
Das steht in den AGB der Fahrschule – sie sind Teil des Vertrags. Viele Fahrschulen kündigen zum Ende des gebuchten Ausbildungszeitraums, manche verlangen zwei bis vier Wochen Vorlauf. Ohne abweichende Vereinbarung gilt für Dienstverhältnisse § 621 BGB: bei stundenweiser Vergütung eine Kündigung zum Ablauf des folgenden Tages, bei monatlicher Vergütung mit einer Frist zum 15. zum Ende des Kalendermonats.
Muss ich eine Frist einhalten, wenn ich nur eine Stunde verschieben will?
Nein. Für die Verschiebung einzelner Termine genügt in der Regel eine kurze Nachricht. Die Kündigung des gesamten Vertrags ist davon zu trennen – und richtet sich nach den AGB bzw. § 621 BGB.
Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich die Fahrschule wechsle?
Nicht automatisch. Ein Anspruch auf Erstattung bereits erteilter Fahrstunden bemisst sich nach den Vertragsbedingungen der Fahrschule. Bleibt ein Restguthaben, sollten Sie es im Kündigungsschreiben ausdrücklich verlangen. Nicht genutzte theoretische Stunden, Sonderfahrten und Theory-Fahrten sind meist gesondert gerechnet.
Was passiert mit Ausbildungsnachweis und Fahrschuldokumenten?
Sie sollten die Herausgabe des Ausbildungsnachweises und der Bescheinigungen verlangen. Der theoretische Ausbildungsstand lässt sich grundsätzlich auf eine andere Fahrschule übertragen – die zuständige Fahrschulbehörde führt die Übertragung herbei. Setzen Sie eine Frist für die Rückgabe.
Gibt es ein Widerrufsrecht?
Nur bei Fernabsatzverträgen (§ 312g BGB). Im Präsenzvertrag in der Fahrschule gibt es kein gesetzliches Widerrufsrecht. Bei bereits terminierten Fahrstunden ist die Widerrufsfrist regelmäßig ausgeschlossen.
Gilt für die Ausbildung zum Berufskraftfahrer dasselbe?
Nein. Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer ist ein Berufsausbildungsverhältnis und richtet sich nach dem BBiG: Probezeit (§ 20 BBiG), Beendigung (§ 21 BBiG), Kündigung (§ 22 BBiG) – in der Probezeit jederzeit fristlos, nach der Probezeit nur aus wichtigem Grund oder mit vier Wochen Frist bei einem Wechsel der Ausbildung, stets schriftlich.
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